Beziehungen als Spiegel

Beziehungen als Spiegel

Zirkuläre Prozesse als Aspekt jeder Beziehung

Zirkularität siehe Martin Kaufmann und Roland Mangold: Zirkuläres Denken und Handeln, Dornbirn 2009

 

„Ich liebe dich, weil du mich liebst. Und du liebst mich, weil ich dich liebe.“

In Beziehungen reagieren wir stets aufeinander, wir beziehen uns auf das, was wir von der anderen Person wahrnehmen, oder eigentlich auf das, was wir wahrzunehmen glauben. Und wir nehmen einander so wahr, wie sich andere uns gegenüber ZEIGEN, und sie zeigen sich so, weil sie sich auf uns beziehen.

Eine Beziehung ist das, was ZWISCHEN uns entsteht, ein Geschehen, das wir gemeinsam auslösen und nähren (oder verkümmern lassen).

Eine Beziehung wirkt auch wie ein Spiegel: sie zeigt uns etwas von dem, wie wir in diesen hineinschauen. Selten ist uns das bewusst und so freuen wir uns, wenn wir im Spiegel ein freundliches Gesicht sehen und das Gesicht im Spiegel ist freundlich,
weil …

Wenn zwei Personen wechselseitig beieinander Zuneigung, Vertrauen, Offenheit (oder das Gegenteil davon) auslösen, ist dies leicht nachvollziehbar. Wir bringen jedoch auch viele unbewusste Anteile, unsere ganze Lebensgeschichte und Verhaltensmuster mit. Auch unbewusste Anteile können Wechsel­wirkungen auslösen, z.B.:

Person A bemüht sich um B, dabei schwingt jedoch eine unbewusste Bedürftigkeit mit,  B findet diese Bedürftigkeit (unbewusst) bedrohlich und zieht sich zurück, worauf A sich noch mehr um B bemüht, worauf sich B noch mehr zurückzieht.

Person A versucht über B zu bestimmen, weil sich B dagegen wehrt und B wehrt sich weil, …

Person A ist eifersüchtig, weil B vieles nicht erzählt und B erzählt manches nicht weil, …

Selbsterfahrung und eigenverantwortliche Arbeit an der eigenen Persönlichkeits­entwicklung ist die beste Investition in Beziehungsqualität. Indem wir unsere Bedürfnisse beachten, für diese sorgen lernen, indem wir unsere Suchttendenzen bewältigen, indem wir Selbstachtung und aufrichtige Lebensfreude stärken, entwickeln wir unsere Liebesfähigkeit.

Wir können die Art und Weise, wie sich andere zeigen auch als Antwort verstehen und uns Gedanken darüber machen, was wir selbst verändern können:

Wie kann ich mir Bedürfnisse eigenverant­wortlich (außerhalb dieser Beziehung) erfüllen, um leichter, offener, freier zu sein?

Wie kann ich Menschen, die mir wichtig sind, um etwas bitten (ohne Kampf, ohne Vorwurf, ohne voreilige Nachgiebigkeit), ihnen dabei entgegenkommen und mein Verständnis und meine Wertschätzung schenken?

Wie kann ich mit geliebten Menschen Vereinbarungen aushandeln, um Gemeinsames zu regeln, bei Bedarf mit Unterstützung von außen?

Wie kann ich andere beschenken, für andere da sein, ihnen Freude bereiten, Wünsche erfüllen und meine Dankbarkeit für unsere Beziehung zeigen?

Wann ist es wichtig (und möglicherweise auch beziehungsfördernd), mich abzugrenzen, zu schützen, oder eine destruktive Auseinandersetzung zu beenden.

Wie kann ich mit mir selbst noch besser klar kommen, um in meiner Mitte zu ruhen und mich über mein Dasein freuen?

© Paul Lahninger, Salzburg, 2017-05-24, www.TOPSEMINARE.at, www.AGB-Seminare.at

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